Nachteilsausgleiche bei Autismus-Spektrum-Störungen im Schulalltag verstehen und annehmen lernen

Nachteile bei Autismus-Spektrum-Störungen sind weniger offensichtlich als z.B. bei körperlicher Behinderung und erforderliche Ausgleiche sind daher schwerer von den Schülerinnen und Schülern zu verstehen. Innerhalb der Klasse sind in vielen Fällen Hinweise und Informationen erforderlich, damit die Nachteilsausgleiche bei Autismus-Spektrum-Störungen auch ohne Probleme umgesetzt und angenommen werden können.

Mit der Gewährung von Nachteilsausgleichen wird einem Grundrecht entsprochen. Nachteile für Schülerinnen und Schüler mit Autismus-Spektrum-Störungen sind auszugleichen. Insofern sind keine Konferenzbeschlüsse erforderlich zur Gewährung dieses Grundrechts.

Damit nicht der Eindruck entsteht, dass das Grundrecht von der Interpretation einer einzelnen Lehrkraft abhängt, werden Vereinbarungen z.B. in einer Klassenkonferenz oder Beratungen mit dem/r zuständigen Förderschullehrer/in oder Mobilen Diensten geschlossen. Eine Niederschrift erfolgt in der Dokumentation der individuellen Lernentwicklung.

Wenn Nachteilsausgleiche gewährt werden, sollten diese innerhalb der Klasse offen dargelegt und begründet werden, damit das Gerechtigkeitsempfinden aller Schülerinnen und Schüler nicht subjektiv verletzt wird. Das Gefühl einer vermeintlichen Verletzung der Gleichbehandlung hätte für die betroffene Schülerin oder den betroffenen Schüler soziale Schwierigkeiten zur Folge.

Ein klärendes Gespräch mit der Klasse setzt voraus, dass die Schülerin oder der Schüler ein Gespräch über seine Nachteile und die erforderlichen Ausgleiche ertragen kann, bzw. sich des Nachteils bewusst ist. Deshalb müssen die Gründe, die zum Nachteilsausgleich führen mit ihr oder ihm sorgfältig und ausführlich erörtert werden. Das dauert meist mehrere Sitzungen, weil der Patient mit der Offensichtlichkeit eines Nachteils oft nicht konfrontiert werden will und eher dazu neigt, diesen zu kaschieren (Förderung: Umgehen können mit Behinderung)

Aus diesen aufeinander aufbauenden Bedingungen ergibt sich für das notwendige Handeln:

  1. Die Lehrer beraten sich, ob es hilfreich / unverzichtbar ist, Nachteilsausgleiche anzuwenden. Ggf. konsultieren sie einen Berater der Förderschule.
  2. Den Eltern wird das Ergebnis mitgeteilt. Sie werden informiert, dass mit ihrem Kind über die Anwendung des Nachteilsausgleichs gesprochen werden soll.
  3. Behinderung und mögliche Nachteilsausgleiche werden mit der Schülerin bzw. dem Schüler ausführlich erörtert.
  4. Die Schülerin / der Schüler stimmt der Information seiner Mitschüler zu.
  5. Mit der Klasse sollten in einer Simulation die Auswirkungen verschiedener Handicaps auf schulische Arbeit erarbeitet und aufgrund experimenteller Erfahrung das Verständnis für die Notwendigkeit von Nachteilsausgleichen geweckt werden.
  6. Die Nachteilsausgleiche werden von allen Lehrkräften gewährt. Nachteilsausgleiche müssen nicht in jedem Fall so ausführlich erarbeitet werden. Bei Unstimmigkeiten oder Empfindlichkeiten ist der dargestellte ausführliche Weg Erfolg versprechend.

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Bearbeitet von: W. Deffner     letzte Änderung 2011-01-28T13:35:33+02:00