Platt - nicht nur cool, sondern Teil des Schulalltags Fachtagung der Projektschulen Niederdeutsch / Saterfriesisch in Stapelfeld

Presseinformation der Niedersächsischen Landesschulbehörde vom 13.11.2019

Über 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer „snacken, proten, küern“  kürzlich bei der Fachtagung der Projektschulen Niederdeutsch / Saterfriesisch in der Katholischen Akademie in Stapelfeld. Unter anderem verabredeten sie, den Vorlesetag am 15.11. zu nutzen, damit Schülerinnen und Schüler die Geschichten unabhängig von Wettbewerb und Platzierung noch einmal lesen und Plattdeutsch und Saterfriesisch in der Schule, in Kindergärten oder Seniorenheimen zu Gehör zu bringen.

Von Norden bis Göttingen, von Bleckede bis Nordhorn, die Regional- und Minderheitensprachen gehören landesweit zum Unterrichtsalltag. Der Austausch über „Platt un Satersch in de School“ stand im Mittelpunkt der Fachtagung. Neben den bereits bekannten AGs erproben die Projektschulen den Unterrichtseinsatz der kleinen Sprachen in verschiedenen Sachfächern in Grundschulen und in den weiterführenden Schulen. Sie unterrichten nach der „Immersionsmethode“, eine intensive Form des zweisprachigen Unterrichts und machen auf Stellwänden und in Schaukästen deutlich, wie lebendig die kleinen Sprachen den Schulalltag bereichern. Wer mit Plattdeutsch und Saterfriesisch aufwächst, lernt leichter weitere Fremdsprachen wie z.B. Englisch. Plattdeutsch und Saterfriesisch als Teil der Mehrsprachigkeit in den Schulen erleichtern auch den Austausch mit fremden Herkunftssprachen und können wichtige Bausteine bei der Integration sein.

Im Bereich der Sekundarschulen erproben derzeit 15 Modellprojektschulen die Einbindung von Niederdeutsch in Wahlpflichtkursen und in den Sachfächern. Sie bauen Netzwerke mit Grundschulen auf, in denen die Regionalsprache zum Unterricht gehört und setzen die kleinen Sprachen im Bereich der Berufsvorbereitung ein. Gerade in den Pflegeberufen, im Handwerk und in weiteren Dienstleistungsberufen ist Plattdeutsch wichtig. „Dat, wat  een kann“, die „soft skills“, sind hier auf Platt gefragt.

Diese Erfahrungen sollen auch genutzt werden, damit Plattdeutsch ein fester Bestandteil des Unterrichtsalltags wird.

Neben diesem Ausblick in die Zukunft und einem intensiven Materialaustausch verabredeten die Teilnehmer der Fachtagung auch gemeinsame Aktivitäten.

Der Plattdeutsche Lesewettbewerb hat bis zum Landesentscheid vor den Sommerferien fast 10000 Schülerinnen und Schüler landesweit einen Kontakt mit Plattdeutsch und Saterfriesisch ermöglicht.  Mit „Freedag is Plattdag“ wurde im dritten Jahr ein Format im Monat September etabliert, um die Sprache wirklich „von dat Ohr op de Tung to bringen.“

Viele „Schoolmesters“ berichteten über vielfältige Aktivitäten von „Platt is cool“ und von der erfolgreichen Zusammenarbeit mit Landschaften und Landschaftsverbänden.

Im nächsten Jahr finden in verschiedenen Regionen Plattdeutsche Schultheatertage statt, um die Sprache spielerisch auf der Bühne zu erproben. Zusammen mit der Plattdüütsch Stiftung Neddersassen ist erneut der „Plattdüütsch Filmpries“ ausgeschrieben. Kurzfilme bis zu fünf Minuten Länge sollen bis Ende April an das Institut für Niederdeutsche Sprache in Bremen eingesandt und später prämiert werden.

„Dor deit sik wat op Platt.“ Das war die Meinung der Teilnehmer, die nach einem intensiven Austausch und dem abschließenden gemeinsamen Singen die Heimreise antraten.

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Bearbeitet von: Bianca Trogisch     letzte Änderung 2019-11-13T14:57:58+01:00